Menagerie – Tiere schauen und den Menschen entdecken

wp-1490539668498.jpegNach dem Wald nun das Tier im Forum Würth in Rorschach am Bodensee. Zu sehen sind Exponate, Gemälde, Fotografien und Plastiken aus der Kunstsammlung Würth mit verschiedenartigen Tieren in geselliger Darstellung. Naturbeobachtung und naturalistische Tierbilder sucht man vergebens, auch herzige Mitgeschöpfe zu unserer emotionalen Beglückung finden sich nicht. Prominente Künstler zeigen uns ihren Blick auf das Tier und geben ihnen spezielle Bedeutungen – eine Menagerie schöner Kunstwerke.
wp-1490539668499.jpegDie spinnende Kuhhirtin von Max Liebermann beaufsichtigt die im Sonnenschein grasenden Rinder auf der Wiese, während sie mit ihrer Handarbeit beschäftigt ist. Arbeit und Nutzen, Natur und Versonnenheit stehen sich gegenüber – durch die weidenden Kühe wird das Leben der jungen Frau in einen gesellschaftlichen Kontext eingeordnet.
Andy Warhol reduziert in seinem Siebdruck von Paolo Uccelos Der Heilige Georg und der Drache Schwanzschwung und Flügels der Fabelwesens zu einem kraftvollen dekorativen Detail. Die extrovertierte zweidimensionale Form steht der Prinzessin schablonenhaft gegenüber. Max Beckmanns kleine schwarze Katze dient der erotisches Steigerung seines Frauenaktes und Max Ernsts Tiere haben ihre ureigene Natur vollständig eingebüßt und dienen den fantastischen Gedanken des Künstlers. Die Wesenhaftigkeit der Tiere wird häufig zum Symbol für menschliche Eigenschaften oder unterstreicht spezifische Lebenssituationen.
Die knappen, gut lesbaren Begleittexte verschaffen dennoch einen kurzen und prägnanten Überblick über die historische Umsetzung des Tieres mit und in der Kunst. Angerissen wird der Besitz in höfischen Tiersammlungen und deren Umgang mit den Kreaturen im Zirkus ebenso wie die Anfänge der zoologischen Wissenschaften. Wie eigenwillig der Blick des Menschen auf unsere Mitgeschöpfe sein kann, zeigen die ausgestellten Exponate.
Tim Ernst kontrastiert in schleierhaft weißer Lasurtechnik in Nahkampf die ungezähmte tierische Kraft zweier sich anspringender und miteinander kämpfender Löwen, die Szene schwebt jedoch auf einem abstrakten Rasterbild und büßt so einen Teil ihrer ursprünglichen Kraft wiederum ein.

Daryoush Asgar und Elisabeth Gabriel verwenden die beigefügten Tiere in ihrem Bild Keine Sorge, uns geht es gut in Anspielung an die alten Meister. Veronese und Rubens blitzen aus dem monumentalen Bildaufbau mit Elefant und Hund ebenso hervor wie Tintorettos Flugfigur – die Tiere ein belebender Schmuck. Baselitz‘ Elefant steht natürlich auf dem Kopf und Tomi Ungerers Kamasutra Frösche treiben es toll.
wp-1490539668495.jpegEin bisschen bunte Wunderkammer umfängt den Besucher, und so muss jeder die Frage für sich beantworten – was ist das Tier für uns, wieviel Tier steckt in uns und wie wollen wir mit unseren schwächeren Mitgeschöpfen umgehen?

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