Nachhall aus Basel

Kalt war die Museumsnacht in Basel, umso schöner das Betreten der erleuchteten Paläste von Kunst und Kultur – mit einer warmen, freundlichen Begrüßung durch die aufmerksamen Mitarbeiter fühlte man sich sofort willkommen. Freudig erregt und mit besonder Wachheit sensibilisiert beginnt die Erkundungstour. Diesem großartigen Gefühl, das keinem täglichen Museumsbesuch gleichkommt, folgten viele Besucher. In dieser Nacht geht es nicht nur um das sachliche Erforschen bis in Tiefe des kleinsten Details, sondern gemeinschaftlich der Kultur zu huldigen. Eine großartige Vorstellung interessierter Menschen, die hier zusammenkommen und etwas erleben wollen. Viele junge Leute aus dem lebendigen Dreiländereck zog es nach Basel. Chic gemachte Jungs und Mädchen, perfekt gestylt je nach Vorliebe und Gesinnung – Schönheit und Lebensfreude umkreisten sich und warben ebenso in eigener Sache. Man flaniert durch die Institutionen, schließlich ist das nur das Vorglühen, danach geht die Party ab.

Warum sollte es verwerflich sein, vor den Bildern zu posieren, die in Farbgebung und schneller Wahrnehmung zum persönlichen Lebensgefühl oder dem Augenblick passen? Es kann die erste Kontaktaufnahme und der Beginn einer tiefen Freundschaft und Wertschätzung werden, Wissenserwerb und Erkenntnisse folgen später. Diese öffentliche Wechselwirkung lässt sich besonders gut in den weitläufigen Häusern erfahren.

In der Fondation Beyeler am vorletzten Tag noch einmal dem Blauen Reiter in der dunklen Nacht begegnen, den Farbexplosionen der bekannten Maler Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke und Paul Klee, Kandinskys künstlerische Entwicklung abzuschreiten und sich nur auf seine ständigen Veränderungen einzulassen – eben ein Ritt durch die Nacht. Die ersten Blicke auf Claude Monets Meisterwerke werfen zu dürfen, die meisterhafte Ausstellung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Fondation Beyeler, seine sphärischen Gemälde erleben. Der Gegenstand schwindet, immer dichter wird Farb- und Lichtmaterie. Einige Gemälde hat man schon tausendmal gesehen, andere sind seltene Leihgaben, gemeinsam verzaubern sie immer wieder. Vor einem Rothko lässt es sich wieder sammeln, bevor die Glücklichen durch die Kälte weiterziehen.

Im Neubau des Kunstmuseums, kühl und sachlich von Christ & Gantenbein in grau-silber, kann sich das Schauspiel der Besucher besonders entfalten. Die breiten Treppen und großen Räume bieten eine perfekte Location für die Akteure. Hier wird nicht gehetzt, sondern spaziert. Pärchen untergehakt schreiten mit Wohlbehagen an den Klassikern der Moderne vorbei. Architektur und Ausstattung moderieren diesen Tanz. Das Piazzaleben vergangener Zeiten erwacht, auch wenn die Lichtarchitektur alles in diffuse und nur wenig akzentuierte Helligkeit taucht.

Da viel geboten wird, will man auch viel sehen. In den kleineren Häusern werden die Besonderheiten gewürdigt, hier gelingt es oft besser sich zu versenken. Aktionen und Angebote von Speis und Trank steigern die entspannte Erlebniswelt. Die Königin von Saba gibt ganz ungeahnte Einblicke in eine viel zu unbekannte Welt des Jemen. Diesen feinen besonderen Arbeiten im Antikenmuseum – ebenmäßige und mit klaren Formen von menschlichen Skulpturen und Büsten sowie von Steinböcken oder Widderdarstellungen – gilt die Bewunderung. Viele Stücke, lange vor Christus und Mohammed entstanden, stehen für eine universelle Schönheit, eben ein Weltkulturerbe.

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Meta-Music-Night hieß es im Museum Tinguely, die großen scheppernden und ratternden Musikmaschinen, phantastisch großartig opulente Handwerkskunst, die alle Sinne betört. Chaos und Witz oder vollkommene präzise Organisation versetzen die Umgebung in Unruhe. Diese phantastischen Automaten führen ihr eigenes Leben, aber wenn die Räder sich drehen und Hebel schlagen, dann rotieren auch die Gedanken in unseren Köpfen. Verspielt, aber nicht ganz geheuer, verwirren sie unsere Wahrnehmung. Der mittelalterliche Maler Hieronymus Bosch, der die Menschen in ein Räderwerk der unzähligen Geheimnisse und Rätsel steckte und durchwalkte, schuf mit seiner Ästhetik eine vergleichbare ambivalente Anziehungskraft, sinnlich packend und dennoch unergründlich und etwas bedrohlich.

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Claudio Rudin

Es gelang wundervoll, das so energiegeladene Publikum mit einem Miniworkshop Beatboxen einzufangen. Claudio Rudin begeisterte mit seinen künstlerischen Darbietungen, aber besonders mit seinen Tipps, sich selbst im Geräuschemachen zu versuchen.

Das Begleitprogramm bot in allen 37 Institutionen ein vielfältiges und unterhaltendes Angebot, nur sind acht Stunden viel zu kurz, um alles zu erleben.

Save the Date
Die 18. Ausgabe der Museumsnacht Basel findet am Freitag, 19. Januar 2018, statt. Die Museen und Organisatoren beginnen im Sommer 2017 mit der Konzeption und Planung.

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2 Kommentare

  1. Scheinen ja tolle Ausstellungen u sein.

    Liebe Gruesse

    Monika

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    1. Danke Monika,
      ja – es ist jedesmal eine gute Stimmung. Aber auch das ganze Jahr über lohnt sich der Besuch in Basel.
      Andrea

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