Herman de Vries – Museum für konkrete Kunst Ingolstadt

Ferienzeit ist vorüber und daheim zurückgekehrt liegt der mitgenommene Stein oder die Muschel beladen mit sehnsuchtsvollem Begehren, die schöne Erinnerung festzuhalten, auf dem Trockenen. Das Andenken verliert schnell seinen euphorisierenden Zauber, dazu braucht es das Licht und die Wärme, den schimmernden Glanz der Feuchtigkeit und den Geruch der Vegetation, dies lässt sich nur schwach mit der Trophäe wieder heraufbeschwören. Entführt in die Fremde flüstert sie nur noch zu uns, ihr kraftvoller Ruf verstummt.

de_vries_steine

Beach of Iréo, Samos, 2013, Steinesammlung 

Die Ausstellung  von Herman de Vries in Ingolstadt im Museum für konkrete Kunst verströmt diese melancholisch-spröde Stimmung. Stöcke, Wurzeln und Steine trägt er in den geschlossenen Raum. Sie liegen und hängen schön geordnet rechtwinklig in Reih und Glied nebeneinander oder auf einen Sockel gesetzt, ohne jedoch die Form zu verändern. Kleine Steinchen auf Reisen gesammelt werden steril in Setzkästen geklebt, es fehlen nur die korrekten Namen und es wären wissenschaftliche Präparate.

From Earth 2006, Erdausreibung auf Papier

Der Abrieb verschiedenfarbiger Erden, minimalistisch in 12 mal 42 Rechtecke zusammengesetzt, gibt einen Hinweis auf die Vielfalt der Welt, ebenso die Aufschüttung der Erdbeete, die auch an einen Friedhof gemahnen könnten. Die Natur ist ungekünstelt, nun soll sie Kunst werden. Entfaltet sich hier ein Stillleben -Natura Morta – eher nicht – zu konkret im konkreten Museum. Die Verwandlung der Objekte durch den Künstler ist minimal und zeigt zu wenig Ironie für ready made.

herman de vries in his studio, 2014 [photo Joana Schwender, Hassfurt]

Herman de Vries, Jahrgang 1931, präsentiert seine Fundstücke neu arrangiert. Wie ein Druide mit weißem langen Vollbart streift er durch Wald und Wiesen – die Werkstatt der Natur – und sammelt. Der Künstler selbst ist das Zentrum des Interesses seiner Welt. Stünde eine junge Frau hinter dieser Ausstellung wäre man verwundert. Die Demut des Alters arbeitet mit – hier ist nur Ruhe – das Spiel der himmlischen und irdischen Mächte ist erstarrt. Man möchte Fenster und Türen weit öffnen und Wind und Regen, Sonne und Mäuse die Metamorphose des Lebens fortsetzen lassen. Aber vielleicht befreien sich die Steine und rollen einfach davon.

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