Sankt Gallen beschaulich aber abwechslungsreich: Gerwald Rockenschaub

Der Sommer am Bodensee kommt oft bunt und leicht daher – einfach heiter. Im kleinen Kunstmuseum in St. Gallen in der Schweiz unterstreichen diese Stimmung zwei sehr unterschiedliche Ausstellungen. Bei beiden nimmt der Künstler Gerwald Rockenschaub (geboren 1952 Linz, lebt heute in Berlin) großen Einfluss. Im Obergeschoss präsentiert das Haus dessen eigene Werke unter dem Titel blueberry fields (orphaned select+1). Minimalistische Formen in kräftigen klaren Farben sind sein Stilmittel. Reine rechtwinklige Raumkörper möblieren die Räume, sehr akkurat lasergeschnittene Plexiglas-Collagenintarsien oder Folienbilder leiten den Besucher durch die Seitensäle. Der konkreten Kunst verwandt ebenso wie dem Gebrauchsdesign lenken die plakativen Bilder durch eine wohlbedachte Abfolge auf einen vorbestimmten Weg. Diese vereinfachte Symbole – Piktogramme, deren Assoziation jedoch jeden Betrachter zu einer anderen Überlegung ermuntern können. Dies sind keine erklärenden Funktionen eines Otl Aicher oder moderner Emoticons, die uns die Reaktion abnehmen, sondern im Gegenteil die Pflicht auferlegen, selbst zu entscheiden. Bartheken oder Büromöbel, Absperrgitter oder Distanzwahrer – viele Funktionen sind möglich. Alles wirkt spielerisch. Erinnerungen an Montessorispielzeug oder mathematische Mengenlehre werden wach, nichts bedrängt, alles kann Spaß machen oder nicht – wie man es halt mag und wahrnimmt.

Im Erdgeschoss designte Rockenschaub die Ausstellung Heilige, Wunder und Visionen, Ikonen des 16.-19. Jahrhunderts. Diese Privatsammlung ist eine Schenkung des Ehepaares Gürtler. Die Heiligen-Bilder der Ostkirche hängen hier auf sehr intensiv farbigen Wänden. Auch innerhalb eines Raumes wechselt die Farbabfolge mit satten Kontrasten. Die Ikonen bekommen eine gewaltige Strahlkraft, wie solitäre Edelsteine treten sie auf den unterschiedlichen Farben ihrer Umgebung hervor. Profaniert werden die zur Andacht gefertigten Werke nicht, achtungsgebietend treten sie einem entgegen. Aber natürlich ist ein Museum kein heiliger Raum, in dem man sich der Demut ergibt. Die leuchtenden Farben machen wach und energetisch, hier schaut man direkt und neugierig auf die Exponate und will wissen, was das bedeuten. Eine schöne neue Rauminszenierung, die weniger populäre Kunst sehr aufregend präsentiert.

Eingebettet in den netten Stadtpark liegt das Museum Sankt Gallen – noch ein halbes Jahr gemeinsam unter einem Dach mit dem Naturkundemuseum, das dann an einen neuen Standort in der Nähe des Botanischen Gartens verlegt wird. Dieses hübsche Botanische Gärtlein, sehr informativ und entspannend, lohnt einen Besuch im Sinne des sommerlichen Müßiggangs. Auch die Tiergehege von Peter und Paul sind eine nette Abwechslung. Nur mit dem Parken kann es dort schwierig werden, also lieber hinwandern.

Video: blueberry fields (orphaned select+1)

Video: Heilige, Wunder und Visionen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: