Gerold Miller im Ulm

Sehr groß, sehr grau, wie ein riesiger furchteinflößender Dinosaurier dominiert das mächtige Ulmer Münster das Zentrum der Altstadt. Auf dem immer windigen Vorplatz stehen die kleinen zerzausten Menschen voller Hochachtung, Respekt und Demut vor der Leistung menschlichen Schaffens, gepaart mit bedrohlichem Unbehagen der eigenen Bedeutungslosigkeit. Und dann eine Gasse weiter, angezogen vom Kontrast der Leichtigkeit, in der Privatsammlung Kunsthalle Weishaupt glaubt man sich vermeintlich erlöst zu fühlen – Gerold Millers strahlende poppige Farben auf hochglanz-lackierten Aluminium-Objekten, die in den weiten weißen zurückhaltenden Räumen der Kunsthalle hängen, als seien sie nur für sie erdacht. Geometrische Flächen, meist Rechtecke mit abgerundeten Ecken, sind in kontrastreichen kräftigen monochromen Farben lackiert. Runde oder rechteckige Löcher in den tiefen Bildträgern werden kontrastreich umrandet und mit perspektivisch verschobener Wiederholung der Ausschnittform akzentuiert, so dass eine optische Tunnelwirkung in dem Relief entsteht. In den glänzend glatten Bildträgern spiegelt sich die Umgebung. Leichte Schlieren verzerren Linien in sanfte Wellen und erweiten die Dimension der Objekte.

Ein umfassender Ausschnitt aus Millers Schaffenperiode, Werke von ca. Anfang 2002 bis 2016, zum großen Teil aus dem Besitz der Familie Weishaupt, zeigt das andauernde Interesse Millers an der sachlichen Harmonie der geometrischen Grundelemente.

Schlanke freistehende Skulpturen aus Vierkantstäben („Verstärker“) in unterschiedlichen Größen und Farben stehen in einer Gruppe beieinander und wollen von niemandem in ihrer Schönheit gestört werden. Alle Exponate gefallen und passen gut zu dem Wunsch einer hochglanz-gestylten Welt. Vielleicht etwas zu schön um anzuecken und durchdringende Gedankengänge anzustoßen, aber meditativ in der exquisiten Ausführung. Konstruktivistische Kunst ist seit vielen Jahrzehnten in unseren Alltag eingedrungen.

Kein Aufreger mehr wie in den Zeiten des Bauhauses, als Josef Albers seine Hommage to the Square schuf, oder Max Bill die Grundideen in das angewandte Design übertrug. Material und Arbeitsökonomie, wie sie Joseph Alberts forderte, sind keine Themen, die Miller bewegen; hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt. Die exakt gezogenen Farbgrenzen, die glänzende Lackierung, die ausgewogenen Formen der Aluminiumträger ordnen und glätten spirituellen Brüche. Grundlegende Erklärungen fehlen in der Ausstellung und spezielle Zielgruppen werden nicht direkt beworben. Besondere Freude haben sicherlich Liebhaber der Metallbearbeitung – ein hochspezialisiertes Team in Berlin-Kreuzberg geht Miller für seine edlen Werke aufs Beste zur Hand. Leuchten und Strahlen bereiten Vergnügen und so passen die Teile sicherlich in die unterschiedlichsten Räume – seien es Industriebauten oder Arztpraxen.

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