Tanz der Hände

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Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beim Damen-Boxkampf mit dem Mimiker der Wiener Staatsoper Adolf Nemeth als „Schiedsrichter“, 1926, Silbergelatineabzug 13,7 x 8,8 cm, Sammlung Andrea Amort

Tanz der Hände, eine kleine Fotoausstellung im Verborgenen Museum in Berlin dokumentiert den Zeitgeist des Ausdruckstanzes um 1920-1935, der das klassische Ballet mit seine überkommenden Gesten erneuerte. Im Zentrum der Wiener Künstlerszene standen die beiden Künstlerinnen Tilly Losch und Hedy Pfundmayr, die mit ihren avantgarden Auftritten dem Tanz neue Impulse verliehen. Der literarische Text „Hände“ der Schauspielerin Valerie Boothby, die die Choreographie der Handbewegungen im Speisesaal eines Kreuzfahrtschiffes beschreibt und die vielen unterschiedlichen Hände der Damen und Herren, die eifrig mit dem Besteck jonglierten, als Widerspiegelung eines Psychogramms der Gesellschaft ansieht, inspirierte die beiden als unzertrennliche Balletteusen beschriebenen Künstlerinnen Losch und Pfundmayr zu ihrem Projekt Tanz der Hände.

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Valerie Boothby: „Hände“, mit Aufnahmen von Tilly Losch (1928) von E. O. Hoppé;
In: Das Leben, Heft 5, 7. Jg., November 1929, S. 21-27

Die Hände zum vornehmlichen mitteilenden Tanzelement über die Beinarbeit zu setzen entsprach dem Händekult der damaligen Zeit; sie gelten als „Spiegel der Seele“. Als erotisch aufgeladenes Symbol – besonders schlanke elegante Frauenhände – wurden sie in der Werbefotografie verstärkt eingesetzt. Auch fand die weibliche gleichgeschlechtliche Liebe hier ihr spezielles Ausdrucksmittel. Siehe dazu Museum der Moderne Salzburg: Tanz der Hände (14.11.2014 – 15.2.2015). Tilly Losch lebte und wirkte in einem höchst modernen gesellschaftlichen Umfeld und so wirkt die Box, die Joseph Cornell in Verehrung für sie schuf, lebensfern erstarrt und unfrei (siehe meinen Beitrag vom 7. Februar). Die Wiener Silbergelatineaufnahmen entstanden zum großen Teil im Atelier Bonartes. Die Berliner Austellung illustriert auch die Berliner Tanzszene der 20er Jahre mit ausdrucksstarken Aufnahmen vieler bekannter Fotografinnen und Fotografen.

Das Verborgene Museum – Dokumentation der Kunst von Frauen e.V. befindet sich im gepflegten Hinterhaus eines Charlottenburger Altbaus in der Schlüterstraße 70 in 10625 Berlin.

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ein Kommentar

  1. […] Cornell schafft dieses Bild 1935 in Verehrung für die Tänzerin Tilly Losch. Er bewundert die österreichische Ballerina, die auf den Bühnen der Stadt auftritt, mit Fred Astaire tanzt und mit dem Film Tanz der Hände bekannt wird. […]

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