Exquisite Bronzen

In den strahlend weißen und hell ausgeleuchteten Räumen des Festsaalbaus der Münchner Residenz sind Meisterwerke der Bronzeplastiken aus dem Ende 16. bis Anfang 17. Jahrhundert zu bewundern. Die Wittelsbacher – Herzog Wilhelm V. und Kurfürst Maximilian I. – gewannen die fähigsten Künstler, um repräsentative Bildwerke zu schaffen, die den Ruhm und die Kraft des Landes Bayern symbolisieren sollten. Die 42 Gußbronzen stammen aus dem Außenbereich, vom Wittelsbacher-Brunnen, Gartenfiguren oder von der Fassade der Residenz. Diese Orignale wurden wurden sorgfältig restauriert und nun den schädigenden Witterungseinflüsse entzogen. Kopien stehen heute an den ursprünglichen Standorten.

Giebelfiguren

Giebelfiguren

Die Tugendallegorien der Giebelbekrönung – obwohl auf Fernsicht gearbeitet – sind so fein und anmutig drapiert, als hätten sie sich erst kürzlich zu einer Pause niedergesetzt. Die Originale sind von ganz wundervoller Qualität und es ist eine schier unbändige Freude, ihnen so nah kommen zu können.

Tellus Bavarica

Im schönsten Liebreiz präsentiert sich Tellus Bavarica – Reichtum der Bayerischen Erde – von Hubert Gerhard (vor 1589). Hier paaren sich italienische mit niederländisch-deutschen Einflüssen in ihrer Vollkommenheit. Die Dianafigur, ursprünglich als Brunnenfigur für den Residenzgarten für Herzog Wilhelm konzipiert, wurde immer wieder verändert. Sein Sohn, Kurfürst Maximilian, ließ durch Hans Krumpp, einem Schüler Gerharts, einige Details modifizieren und die Skulptur auf dem Dianatempel im Residenzgarten aufstellen. Die Muschel zu ihren Füssen wurde entfernt, der Helm mit dem Hippogryhen geschmückt, mit einem Reichsapfel in der rechten Hand und einem Ährenkranz in der Linken verkörpert sie nun das Land Bayern mit seinem gesamten Reichtum. Dem Original in der Ausstellung fehlt der Ährenkranz (verloren) und der Reichsapfel (entfernt). Mit eleganter Leichtigkeit präsentiert sie stolz über dem rechten Arm die Trophäe des gewaltigen Hirschfells – Grandezza des Wohlstandes, die auch heute noch Münchens Selbstdarstellung entspricht.

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Georg Petel: Neptun

Der Meeresgott Neptun von Georg Petel (1601/02 – 1633/34) beeindruckt hingegen gerade durch sein ganz und gar unheldenhaftes Auftreten; mager und ein wenig gebückt gebietet er zwar mit seinem Dreizack über das Meer – die Macht zu bewahren strengt aber zusehens an und im Alter kann die Würde auch zur Bürde werden. Die emotionsreiche Ausdrucksweise Petels, die von seinen Christusdarstellungen und Elfenbeinschnitzereien bekannt ist, findet auch in dieser eindrucksvollen Bronzeskulptur ihre überzeugende Kraft. Leider steht Neptun in einer Nische, so dass er nicht von allen Seiten erlebt werden kann.

Diese Räume sind kein Museum und sollen auch zu keinem avancieren; vielmehr ist vorgesehen, sie als Eventräume zu nutzen. Die Skulpturen rücken möglichst dicht an die Wände, um Platz für zukünftige Empfänge zu schaffen. Nur so ist auch zu erklären, dass sich nur wenige erläuternde Begleittexte finden und keine Skizzen oder Fotografien, die über die ursprüngliche Aufstellungsorte der Skulpturen Auskunft geben. Schade, so fehlt zumindest eine Einordnung für nicht bajuwarische Kenner in einen Zusammenhang. Die korrespondieren Brunnenfiguren am Wittelsbacher-Brunnen im Herzogshof – zur Zeit winterlich verpackt – wären auf einem beigefügtem Foto schöner erlebbar. Einige wenige mobile Ständer, leicht zu entfernen, hätten Hinweise geben können und die prächtigen Räume kaum geschmälert. Vor den köstlichen Tierfabelpaaren und den lieblichen Puttenfiguren lässt sich natürlich ganz wundervoll schwärmen und fabulieren – der Erfolg jeder Party ist garantiert. Ursprünglich sollen die Räume nur bis Ende Februar für die Öffentlichkeit zugänglich sein, nach einiger Kritik könnte sich Herr Minister Söder vielleicht auch noch eine andere Lösung vorstellen.

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Hubert Gerhard: Zwei Fabelwesen

Aber jetzt erstmal auf Nummer sicher gehen und sofort anschauen, sonst bleiben uns nur die Kopien – bis natürlich wieder neue Zeiten anbrechen.

17.12.2015 – 14.2.2016; Täglich 10.00 – 17.00 Uhr; Münchner Residenz, Kaiserhof

Residenz-München-Blog: Von allen Seiten schön – Die Bronzeschätze der Residenz im neuen Ambiente

Süddeutsche Zeitung: Söder eröffnet ein Museum – und sperrt es bald wieder zu

Süddeutsche Zeitung: Söder schwenkt um – Bronzesäle sollen nun doch länger zugänglich sein

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