Zeit Kunst – Kunst Zeit in Lindau am Bodensee

Die Herbstsonne scheint über dem Bodensee und projiziert immer wieder ein neues Farbspiel auf das Wasser. Manchmal samtig und strahlend blau am Ufer, in der Ferne schwarz und unergründlich, behaucht von weißen Nebelschleiern, auf denen die wenigen eleganten Segelboote wie schwebend dahin gleiten – fast möchte man glauben, sie würden sich gleich Vögeln aufschwingen und den herrlichen Berggipfeln entgegen segeln. Nun ist es Zeit, ein paar Stunden in Lindau zu verbringen und in Gesellschaft des thronenden Löwens die beglückende Weite in sich aufzusaugen.

Leonie Felle: Fenster

Leonie Felle: Fenster

Und dann bleibt immer noch Zeit, einen kurzen Abstecher in die Ausstellung des Stadtmuseum am Marktplatz anzustreben. Der lange schmale Schlauch, der nach wie vor als Raum für Sonderausstellungen herhalten muss, gibt wenig Spielraum für eine interessante Hängung, dennoch hätten die excellenten Fotografien von Leonie Felle, die ihr Handwerk als Fotodesignerin vortrefflich beherrscht, eine sorgfältigere Präsentation verdient. Für ihr großformatiges „Fenster“ böte sich die dem Eingang gegenüberliegenden Wand des schmalen Galerieraumes gut an, eine Fernwirkung wäre erzielt, die den eintretenden Besucher in eine Spannung versetzte. Zusammen mit ihren Interieurs der verlassenen russischen Kasernen (schön wäre, diese möglichst glatt aufzuhängen) spürt man die Kraft einer poetischen Plastizität, das Vergängliche verschreckt nicht, sondern stimmt zuversichtlich und öffnet neue Türen im Kopf .

Die Arbeiten von Susi Pop fordern vom interessierten Besucher eine vielfältigere Auseinandersetzung. Das beginnt mit der Überraschung, dass sich hinter der Bezeichnung Susi Pop keine Person oder eine einzelne Künstlerin verbirgt, sondern der Begriff versteht sich als Label, Marke oder Brand und entspricht damit einer vollständig anderen Kunstauffassung als der des kreativen Einzelkünstlers. Warenwelt und Auftragskunst bestimmen ebenso das produktive Schaffen wie das Covern bereits bekannter Kunstwerke und Sujets. Meist werden die Fotografien in magenta-farbenem Siebdruck ausgeführt. Reflexion, Wiedererkennen und Verfremdung paaren sich mit modernen Produktiontechniken. Als Vorlagen dienen auch Abbildungen aus Zeitschriften oder dem Internet, dies kann eine Fotografie von Ulrike Meinhof ebenso sein wie eine Giaccometti-Figur.

Öffnungszeiten: bis 18. Oktober; Di-Fr, So: 11:00-17:00 Uhr, Sa: 14:00-17:00 Uhr; Eintritt frei

 

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