Kunst in der Schweiz – Rorschach und Davos

Es gibt viele kleine aber zuwenig bedeutende Kunsterlebnisse rund um den Bodensee, ins Würth-Forum nach Rorschach zu fahren lohnt sich jedoch immer.

Jetzt schnell noch hin und bis zum 6. September Boterosutra schauen.

Zu entdecken sind ca. 70 Zeichnungen, einige Gemälde und makellos weiße Marmorskulpturen des brasilianischen Künstlers Fernando Botero. Der Künstler gibt mit seinen eigenwilligen einmalig fülligen Figuren dem erotisch indischen Kamasutra eine ganz neue Wirkung. Seine dicken Paare sind sanft und liebenswürdig, vielleicht ein wenig spaßig, aber immer sympatisch.

Und ist man schon einmal in diesem wunderbaren Haus, das von den Züricher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer entworfen wurde (2009-2013), sollte man sich auf die lichte helle Architektur einlassen und mitatmen. Die unterschiedlichen Glasplatten der gläsernen Gebäudehülle erzeugen eine vielschichtige Transparenz – von außen Leichtigkeit und von innen Weite.

Ein Kaffee auf der Terrasse mit Blick über den See entspannt ungemein und dann rein in die Ausstellung Waldeslust, diese Schau läuft zwar noch bis zum 22. Januar 2017, aber dieses Kunst-Naturerlebnis wird sich im Wandel der Jahreszeiten immer wieder neu erfahren lassen. An einem heißen grellen Sonnentag genießt man die dunklen Waldbilder als eine beruhigende Erholung. An einem kalten grauen Wintertag mag dies bedrohlich wirken und die lichteren Parkszenen laden zum Träumen. Besonders schön komponierten die Ausstellungsmacher die Gegenüberstellung in der weiten Raumflucht von Anselm Kiefers Werk und Robert Longos Fair mount Forest. Diese Ausstellung fügt sich nahtlos in die See- und Alpenlandschaft ein.

In Davos läuft im Kirchner Museum – ebenfalls eine Architektur mit gläserner Gebäudehülle von Annette Gigon und Mike Guyer, 1992 eingeweiht – bis zum 8. November die Ausstellung Der doppelte Kirchner – Die zwei Seiten der Leinwand. Zusätzlich zum eigenen Bestand konnten viele Leihgaben für diese Ausstellung gewonnen werden.

Die freistehenden Gemälde können problemlos betrachtet werde, schnell kann man von einer Seite auf die andere wechseln und erkennen, wie sich Motiv und Malstil oft erheblich voneinander unterscheiden. Da die Forschung  noch nicht bis ins Detail ergründet hat, warum Ernst Ludwig Kirchner zu dieser Praktik griff und Vorder- sowie Rückseite der Leinwand bemalte, darf jeder für sich Fragen aufwerfen und spekulieren, das macht besonders viel Spaß. Zur Nachbereitung würde ich die Terrasse des Kaffee Klatsch empfehlen.

 

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